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Farbtupfer im Aquarium: Vieja bifasciata (Steindachner, 1864)   (DCG-Information, 2000 / 59)

 


Eigentlich handelt es sich um einem alten Bekannten, der wohl 1978 durch Thomas Schulz das erste Mal lebend nach Europa eingeführt wurde. Die lateinische Bezeichnung ?bifasciata? bedeutet ?zweifach gestreift? und bezieht sich auf das Zeichnungsmuster des von Karl Heller im vorigen Jahrhundert gefangenen Typusexemplars. Zwei Längsbänder kennzeichnen die Tiere. Das obere Band beginnt unmittelbar hinter dem Kiemendeckelrand und verläuft unter dem weichstrahligen Teil der Rückenflosse, ist aber bei älteren Tieren fast immer unregelmäßig unterbrochen, aber immer vorhanden. Das untere Band – welches zum Teil nur noch andeutungsweise sichtbar ist oder oft ganz fehlt – reicht von der Brustflossenbasis bis zur Schwanzwurzel. Diese arttypischen Kennzeichen der zwei schwarzen Längsbänder fallen uns sofort auch bei V. spec. ?Coatzacoalcos? auf, eine Art, welche früher unter V. guttulata geführt wurde und überwiegend mit Grün- und Blautönen besticht. Eindeutig läßt sich V. bifasciata jedoch an der feinen roten Tüpfelung am Kopf und an der Kehle erkennen. Diese Tüpfelung kann bis zu komplett roten Kehlbereichen gehen.

Das Verbreitungsgebiet von V. bifasciata erstreckt sich in etwa vom Rio Mamantel (auch Rio San Antonio genannt) über den Rio Candelaria, Rio Usumacinta und Rio Tulija bis hin zum westlichen Einzugsgebiet des Rio Grijalva mit all seinen Zuflüssen wie Rio Pichucalco, Rio Teapa und Rio Puyacatengo. Es ist nicht bekannt, daß die Art auch in Belize oder Guatemala zu finden ist. Wir selbst fanden die Art in mehreren Flüssen (Chacamax, Mizol-Ha, Tulija, Usumacinta, Palizada, Candelaria, San Antonio, etc.) als auch in vielen stehenden Gewässern der Bundesstaaten Tabasco, Campeche und Chiapas. In dem großen Überschwemmungsgebiet zwischen Rio Usumacinta und Rio Grijalva bevölkert die Art so gut wie jeden Tümpel, jede Viehtränke oder größere Seen (Laguna Catazaja, Sumpfgebiet bei Frontera). Zumindest in zwei Flußsystemen konnte die Art bisher sympatrisch lebend mit V. synspila nachgewiesen werden (Rio Usumacinta, Rio Candelaria). Ob dies allerdings ein natürliches Verbreitungsgebiet darstellt, kann heutzutage sicherlich niemand mehr mit Gewißheit gesagt werden. Ob natürliche (z.B. Überschwemmungen) oder unnatürliche Einflüsse (von Menschenhand angelegte Bewässerungsgräben, Kanäle, Teiche, etc.) dieses sympatrische Vorkommen begünstigten, läßt sich nicht feststellen. Wenn wir jedoch einmal kritisch die jüngsten Naturereignisse wie z.B. Hurrikan „Mitch“ analysieren, dann wird es kaum verwundernswert erscheinen, daß sich Cichlidenvorkommensgebiete immer wieder neu ordnen werden. Von der Evolution her wissen wir, wie schnell Unterarten entstehen können oder einfach Naturhybriden auftauchen können.


So ist also mehr als natürlich, daß von V. bifasciata viele verschiedene Formen und Varianten existieren. Da gibt es gestreckte Tiere, welche selbst im Alter eine runde Kopfform beibehalten und kaum größer als 20 cm werden. Andere wiederum werden extrem hochrückig, entwickeln enorme Stirnbuckel und gleichen so wieder den nahen Verwandten der Art V. spec. „Coatzacoalcos“. Selten jedoch fanden sich bisweilen Tiere, welche zwar relativ hochrückig werden, aber dennoch einen spitzen Kopf beibehalten. Auch farblich weisen die einzelnen V. bifasciata so große Unterschiede auf, daß man kaum von der gleichen Art sprechen möchte. Bei den rotköpfigen Tieren reicht die Palette von orange über verschiedene Rotnuancen bis hin zu violett. Andere besitzen eher grünliche bis blaue Köpfe und manche zeigen zwar eine intensiv rote Kehle und kräftige Rottöne in allen unpaarigen Flossen, der Kopf selbst bleibt jedoch eintönig grau. Die Körperflanken sind oft intensiv gelb bis unscheinbar braun gezeichnet, wobei die gelben Exemplare zum Teil eine kräftig hellgelbe Rückenflosse besitzen können.


Man merkt, bei V. bifasciata kommt es im wesentlichen darauf an, welche Form man besitzt. Ob wahre Farbtupfer oder recht graue Mäuse, es ist fast alles möglich. Leider haben nur die farblich attraktivsten Tiere eine Chance, in unseren Aquarien bestehen bleiben zu können.


Ähnlich verhält es sich bei der Vielzahl der Varianten von V. spec. ?Coatzacoalcos?, deren Farbpalette von einheitlich blaugrün, über grün mit roten Flossen bis hin zu goldenen Tieren geht.


So unterschiedlich alle V. bifasciata auch aussehen mögen, eines ist fast allen gemeinsam: Sie können sich relativ gut gegenüber anderen Arten der Vieja-Gattung oder anderen mittelamerikanischen Cichliden wie z.B. Parachromis- oder Amphilophus-Arten behaupten und sind bisweilen untereinander als halbwüchsige Tiere recht bissig und aggressiv, auch wenn dabei zum Glück nur in den seltensten Fällen Tiere zu Tode gebissen werden. Verglichen mit dem friedlichen und für mich etwas ?tolpatschigen? V. synspila sind sie wesentlich temperamentvoller, haben aber eine entscheidende Gemeinsamkeit mit den Vertretern der letztgenannten verwandten Art. Züchten lassen sich beide am besten mit gerade geschlechtsreifen Tieren, welche oft erstaunlich gut pflegen, auch bei der ersten Brut. Alte, erwachsene Tiere harmonieren wesentlich schlechter und laichen im allgemeinen viel seltener ab. Die Verpaarung einzelnen, großer Tiere ist meist nicht erfolgreich.


Vorstellen möchte ich hier anhand der Fotos verschiedene Formen von V. bifasciata, wobei besonderes Augenmerk folgenden Aufnahmen gilt:


Foto 6 und 7 (Redaktion: bitte ggf. Zahl korrigieren, nach Auswahl der Fotos, die gedruckt werden!) zeigen Tiere, welche wir 1992 bei Cujo Alvaro Obregon (Rio Usumacinta-Einzugsgebiet) in einer Viehtränke gefangen haben. Interessant dabei ist, daß Jungtiere mit 4-5 cm Gesamtlänge überall eine feine schwarze Tüpfelung auf grauem Grund aufweisen, welche sich bald mit dem Wachstum verliert. Zunächst hielten wir die Tiere für V. heterospila, da sie überhaupt nicht nach V. bifasciata aussahen. Das charakteristische schwarze Längsband, welches alle kleinen Vieja ab ca. 2 cm besitzen, war hier nicht auszumachen.


Zum Vergleich dazu zeigen Foto 8 und 9 Tiere, welche wir 1999 nordwestlich der Laguna Catazaja (ca. 30 km entfernt vom Fangort 1992) gefangen haben. Man beachte die Ähnlichkeit der Körperform all dieser hochrückigen, spitzköpfigen Tiere, trotzdem bestehen erhebliche Farbunterschiede. Diese Variante von V. bifasciata konnte ich auch 1994 und 1996 auf einem rund 50 km langen Teilstück der Mex 186 zwischen Catazaja und Macuspana in fast jedem, die Staatsstraße kreuzenden Bach oder Fluß nachweisen. Im Aquarium erweist sich diese Form als sehr schnellwüchsig, robust und wenig aggressiv. Die gestreckte Variante aus dem Rio Chacamax und Rio Tulija (Foto 4 und 5) wuchs bei mir wesentlich langsamer, erreichte daher spät die 20-cm-Marke, benahm sich recht bissig und erwies sich als sehr wählerisch, was die Wahl eines Partners betraf, wobei zu beachten ist, daß meine Tiere weder gemästet wurden, noch Hunger leiden mußten.


Aus dem Candelaria wurden vereinzelt Tiere von Aquarianer mitgebracht, welche vielleicht auf eine Hybridisierung zwischen V. bifasciata und V. synspila deuten, da diese Exemplare Merkmale beider Arten aufweisen und rein optisch wie eine Übergangsform wirken. Diese Tiere werden vereinzelt in reicher Anzahl auf den Fischmärkten angeboten und dort stellt sich der Übergang zwischen beiden Arten als fließend dar. Allerdings ist hier einzumerken, daß die V. synspila aus diesem Gebiet gänzlich anders aussehen, als die uns bekannten , klassischen „Aquarien-Synspila“, denn den mexikanischen Tieren dieser Region fehlen die kräftigen Farben erheblich, es sind eher braun-grüne Tiere mit etwas rot im vorderen Körperdrittel.


Zusammenfassend läßt sich anmerken, daß gerade V. bifasciata erst dann richtig interessant wird, wenn wir mehrere Formen miteinander großziehen und dabei beobachten können. Dazu ist vor allem pflanzliche Kost für diese Viejas wichtig, um einer artgerechten Ernährung nachzukommen. Vermeiden sollte man tunlichst eine Vergesellschaftung mit den oben genannten artverwandten anderen Vieja-Arten, da es dann leicht zu einer Hybridisierung im Aquarium kommt. Zusehends stelle ich fest, daß in verschiedenen großen Schauaquarien asiatischer Restaurants diverse Viejas gehalten werden und hin und wieder im Handel Hybriden der einzelnen Arten angeboten werden, welche von den Restaurantbesitzern abgegeben wurden.


Leider ist die Zeit dieser in den 80er Jahren noch recht beliebten Cichliden größtenteils vorbei und es lassen sich nur noch wenig begeisterte Anhänger dieser attraktiven Buntbarschart finden.

Fortsetzung:
Teil 2: Vieja synspila (Hubbs, 1935)

Literatur:
Stawikowski & Werner: Die Buntbarsche Amerikas, Band 1, 1998
Stawikowski & Werner: Die Buntbarsche der Neuen Welt, 1985
Mayland: Cichliden, Landbuch-Verlag,1995

© Peter Buchhauser