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Zum Fischfang nach Honduras

 

Beinahe hätte ich es nicht geschafft! George W. Bush landete am 23. Februar in Frankfurt und für mehr als drei Stunden wurde der Flughafen für deutsche Inlandsanflüge gesperrt. Ich hatte die Mietwagenbuchung bei mir und alle getauschten Bardollars für uns vier. Während Frank Angermann, Jochen Grad und Achim Ulmer bereits in Frankfurt auf mich warteten, saß ich noch immer wartend und hoffend in München.

Letztendlich klappte alles hervorragend. Das erfolgreiche Vierer-Team von Guatemala 2002 war wieder unterwegs, diesmal nach Honduras. Da wir wegen den mitzunehmenden Cichliden nicht über die USA fliegen konnten, hatten wir eine fast „abenteuerliche“ Anreise vor uns. Mit Auto, Zug und Flugzeug reisten wir nach Frankfurt, von dort ging es weiter nach Mexiko-Stadt und dann nach Guatemala-Stadt. Die sieben Stunden am Flughafen dort (23.00 – 6.00 Uhr!) waren nicht so schlimm, als wir dachten. Mit der TACA ging es zunächst nach Tegucigalpa, der Hauptstadt von Honduras und dann zu unserem Ziel, San Pedro Sula.

Um es gleich vorneweg zu nehmen, dies ist kein ausführlicher Reisebericht, sondern nur ein kurzer Vorabbericht, um unsere wichtigen Fangergebnisse mitzuteilen.

Gegen Ende unserer 14-tägigen Reise gelang es uns, erstmals Theraps wesseli (Miller, 1996) lebend nach Europa einzuführen, sowie einen weiteren Buntbarsch, welcher zumindest eine neue Variante von „Cichlasoma“ robertsoni (Regan, 1905) darstellt oder sogar „Cichlasoma“ margaritifer (Günther, 1862) sein könnte.

Bei den Ruinen von Copan enttäuschte uns der Rio Amarillo. Weder Parachromis motaguensis, Thorichthys aureus noch Chuco microphthalmus konnten wir sehen. Dafür war der Fluß einfach zu sehr mit Schwermetallen (wir vermuteten Kupfer, wir nahmen Kupfersulfatgeruch wahr!) belastet.
Am Yojoa-See wurden uns nur Tilapien, grau und orange, angeboten, keinerlei andere Cichliden!

Der Rio Choluteca auf der Pazifikseite erwies sich nicht nur äußerlich als biologisch tot, Einheimische sprachen von einer Regenerationszeit von mindestens 30 Jahren, wenn sofort die Einleitung von Düngemitteln und Insektiziden unterbleiben würde. Wir sahen keinen einzigen Buntbarsch...

Unsere Amphilophus longimanus vom Rio Nacaome, Pazifikseite überlebten nur zum Teil das Leitungswasser von Juticalpa, weitere Funde am Rio Guayape, einem Oberlaufzufluß zum Rio Patuca, Atlantikseite, konnten unsere Bestände wieder auffüllen. Nebenan gab es eine Tilapienfarm und im Rio Guayape selbst viele Cryptoheros nigrofasciatus, wenige Tilapien und nach Aussage von Einheimischen Parachromis managuense (ausgesetzt) und P. motaguense (natürliches Vorkommen).

An Zuflüssen zum Rio Wampu konnten wir nach langer Fahrt und ebenso langer Suche einige fingerlange Parachromis dovii einpacken sowie etliche Larven und ein Gelege an einem Wurzelstück von Amphilophus alfari „Wampu“.

Bei Trujillo an der Karibikküste machten wir Station und beschlossen, zumindest soweit wie möglich in die Moskitia mit unserem Toyota Landcruiser vorzudringen. Außer einigen amerikanischen Aquarianern und dem verstorbenen Jean-Claude-Nourissat war wohl kaum ein anderer europäischer Aquarianer in den letzten 15 –20 Jahren in dieser Gegend!

Ein kleiner Fluß hinter Benito Oriental bewies das sympatrische Vorkommen von Cryptoheros nigrofasciatus und C. spilurus. Apropos C. spilurus. Irgendwie scheint ganz Honduras mit diesem Cichliden besiedelt zu sein! Fast überall auf der Atlantikseite begegneten uns diese Buntbarsche. Brutpflegende Paare standen in einem Abstand von 50 cm in der Strömung, in ruhigen Zonen, über Kies, über Schlamm,...

In dem kleinen unbekannten Fluß sahen wir auch etliche Hybriden beider Arten. Ob C. nigrofasciatus durch Menschenhand hierher gelang, oder durch den verheerenden Hurrikan Mitch oder durch andere Faktoren sei dahingestellt.

Eine gute Pistenstunde hinter Limon, auf dem Weg zu Palacios, dem Westausläufer der Moskitia, machten wir Halt an einem weiteren winzigem Fluß. Neben der Staubpiste erweiterte sich dieser zu einem kleinen „Teich“ mit etwa zehn Metern Durchmesser und floß dann ebenso wieder in einem Rinnsal ab.

„Seltsame“ Cichliden konnten wir dort ausmachen, natürlich neben den allgegenwärtigen C. spilurus. Ideal wäre diese teichartige Verbreiterung gewesen für unser Zehn-Meter-Zugnetz, hätte sich nicht der aufgequollene Kadaver eines Hundes inmitten dieser teichartigen Verbreiterung befunden. Wir fuhren weiter, dachten aber daran, den Kadaver zu entfernen und später zum Fischen zurückzukehren. Die Mär von „Cichlasoma“ margaritifer packte uns! 1862 von Albert C. L. Günther beschrieben, wurde die Identität dieses Cichliden immer wieder angezweifelt. Die ursprünglichen, vagen Fundortangaben – Lago Peten in Guatemala – dürften völlig daneben sein. Als Rusty Wessel, Ross Socolof und Harry Specht in den 90er Jahren unzählige Reisen nach Honduras machten, um Theraps wesseli in die USA zu importieren, fingen sie dort auch einen Cichliden, welchen Robert Rush Miller als „C.“ margaritifer erkannt hat.

An der Quebrada de Barracon wurden wir fündig! Zunächst ging uns ein ca. zwölf cm langes Männchen ins Zugnetz. Davon inspiriert, ging es richtig an die Arbeit. Achim und Frank mit Brille, Flossen und Handkäscher, um Jungtiere zu fangen. Jochen und ich mit dem Zugnetz, um größere Tiere zu erwischen. Nach mühsamem Fang hatten wir am Ende ein balzendes Pärchen und das eben beschriebene Männchen erwischt, sowie unzählige C. spilurus und zwei P. friedrichsthalii. Achim konnte nach ewig langer Zeit 32 Jungfische dieses uns unbekannten Cichliden eintüten. Für uns war dies die Sensation schlechthin, zumal anerkannte Experten uns versicherten, daß es diesen Buntbarsch gar nicht geben soll!

Ob es sich nun wirklich um „C.“ margaritifer oder um eine Farbmorphe von A. robertsoni kann ich nicht genau sagen. Die blauen Perlflecken, der rote Bauch, die wulstigen Lippen und die andersartige Stirnpartie würden niemals auf „C.“ robertsoni passen. Von der Körperform her sehen sie aus wie der nächste Verwandte von „C.“ altifrons. Uwe Werner fing in den 80er Jahren in Honduras ähnliche Buntbarsche und hielt sie eindeutig für „C.“ robertsoni. Seltsam ist nur, daß weniger als 100 km westlich in den Biotopen von Theraps wesseli auch „C.“ robertsoni vorkommt, welcher farblich wie die Tiere aus Mexiko, Belize und Guatemala aussieht und auch die typische Körperform aufweist. Wenn man dieses relativ große Verbreitungsgebiet betrachtet und immer nahezu gleiche Tiere findet, warum sollten sie dann 100 km weiter östlich ganz anders aussehen? Deshalb möchte ich sie vorläufig als "C."margaritifer (?) bezeichnen, solange ihre Identität nicht eindeutig geklärt ist.

Ein Kaufbeurer (Jochen Grad) war in unserem perfekt harmonisierenden Team und einen anderen Kaufbeurer wollten wir in Honduras besuchen. Bertram Harlos, ein Aussteiger, genauso alt wie ich, verheiratet mit einer überaus netten und hübschen Honduranerin, vermietet seine Finca „El Eden“ überwiegend an Rucksacktouristen. Da Berti’s Finca in der Nähe der von Rusty Wessel beschriebenen Habitate von Theraps wesseli lag und er uns vorab per e-mail mitteilte, daß er mit Franziskaner-Weißbier, Weißwürsten und Sauerkraut auf uns warten würde, konnten wir einfach keinen anderen Anlaufort wählen.

Vier Tage verbrachten wir dort, wurden dermaßen gut verpflegt und versorgt, daß uns der Abschied sehr schwer fiel. Der Tagesbootsausflug mit Berti zu einer honduranischen Familie im Nationalpark „Cuero y Salado“ ließ uns unsere hektische Welt der Gigabytes und Megapixels als völlig nebensächlich erscheinen. Als einziges monetäres Einkommen hat diese Familie mit acht Kindern den Erlös vom Milchverkauf. Vier Kühe liefern bescheidene 24 Liter täglich, dafür gibt es rund sechs Euro. Der Rest zum (Über-)leben wird angebaut oder erjagt. Auf Berti’s Anraten brachten wir eine Kiste mit Grundnahrungsmitteln als Gastgeschenk mit. Wir hatten einen super Tag dort.

Am Rio Belaire, von Rusty Wessel neben dem Rio Jutiapa und Rio Hauron als Typusfundort von T. wesseli angegeben, hatten wir erneut unbeschreibbares Glück. Insgesamt konnten wir an zwei Tagen dort zu viert nur eine handvoll T. wesseli ausmachen. Wessel beschrieb T. wesseli als äußerst rar („...one T. wesseli in every 1000 fishes...“), er unternahm zwölf Reisen in fünf Jahren dorthin, nur um diesen Buntbarsch zu fangen. Und wir, wir hatten sie nach einer halben Stunde! Achim fand ein tapferes, brutpflegendes Weibchen, etwa 20 cm groß, mitten in der starken Strömung mit freischwimmenden Jungtieren. Zu viert (!) konnten wir schließlich mehr als 40 Jungtiere eintüten, die sich immer wieder unter großen Felsen versteckten, während sich die treusorgende Mutter erst bei einem Abstand von weniger als einem halben Meter zu uns entfernte.

Zwei Tage später fuhren wir noch einmal zum Rio Belaire, wir konnten T. wesseli auch im Rio Papaloteca nachweisen, hatten allerdings nicht den Hauch einer Chance, diese zu erwischen (12 Reisen von Wessel lassen grüßen...). Dort fanden wir das gleiche Weibchen wieder und konnten noch einmal rund 30 Jungtiere einpacken, wobei Achim immer nur 1-2 Jungfische pro Käscherzug erbeutete. Daraufhin beschlossen wir, dem überaus tapferen Weibchen die restlichen Jungtiere zu lassen, ansonsten würde dieser ohnehin schon so seltene Cichlide vermutlich noch seltener werden. Die im gleichen Fluß vorkommenden „C.“ robertsoni waren plötzlich völlig uninteressant, wir hatten ja noch Tiere aus Guatemala.

Die Heimreise erfolgte wie üblich, außer daß wir diesmal auch einige der wichtigen Fische, T. wesseli, „C.“ margaritifer (?) und A. alfari in Getränkeflaschen mit ins Handgepäck nahmen.

Entgegen den Berichten einer früheren Reisegruppe hatten wir zu unserer Reisezeit im Februar/März ausnahmslos hervorragendes Wetter und viel Sonnenschein. Die 42°C am Abreisetag in San Pedro Sula ließen uns den ausklingenden Winter in Deutschland, der uns unweigerlich erwartete, ziemlich ungemütlich erscheinen.

Honduras erwies sich als voller Erfolg. Nette, offene Menschen, hervorragendes Essen, gute Unterkünfte, die fantastische Gastfreundschaft der Familie Harlos in Santa Ana und nicht zuletzt unser immenses Glück beim Cichlidenfangen lassen diese Reise unvergeßlich werden.